Vom Gedanken zum Experiment -Die Antwort, die ich schon kenne
Wie du festgefahrene Denkmuster erkennst und neue Möglichkeiten entdeckst.
Was wäre, wenn nicht die Situation das Problem ist, sondern dein Blick auf sie?
Manchmal beschäftigen wir uns immer wieder mit derselben Herausforderung. Wir denken nach, wägen Möglichkeiten ab, diskutieren mit anderen und suchen nach Lösungen.
Und trotzdem kommen wir nicht weiter.
Vielleicht liegt es daran, dass wir noch nicht die passende Lösung gefunden haben.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir die Situation immer wieder auf dieselbe Weise betrachten.
Unsere Erfahrungen helfen uns, die Welt zu verstehen und handlungsfähig zu bleiben. Doch sie beeinflussen auch, was wir wahrnehmen, welche Erklärungen uns plausibel erscheinen und welche Möglichkeiten wir überhaupt in Betracht ziehen.
Was wir für selbstverständlich halten, stellen wir selten infrage.
Dieses Experiment lädt dich ein, deine gewohnten Denkmuster zu erkennen, deinen Blick zu erweitern und bewusst etwas anders zu machen.
Wann ist dieses Experiment hilfreich?
Wenn du das Gefühl hast, dich bei einem Problem im Kreis zu drehen.
Wenn du trotz vieler Überlegungen keine passende Lösung findest.
Wenn Diskussionen immer wieder um dieselben Argumente kreisen.
Wenn du offen für neue Möglichkeiten sein möchtest, aber nicht weißt, wo du beginnen sollst.
Du brauchst etwa 15 bis 20 Minuten für die ersten Schritte und etwas Zeit, um anschließend eine konkrete Handlung auszuprobieren.

Das Experiment – in vier Schritten
1. Entdecke deine Denkmuster
Denke an eine Situation, in der du keine passende Lösung findest.
Vielleicht ist es eine Herausforderung in deinem Team, ein wiederkehrender Konflikt oder eine Entscheidung, bei der du nicht weiterkommst.
Schreibe auf, wie du die Situation bisher siehst:
Was ist aus meiner Sicht das Problem?
Warum besteht es?
Welche Lösungen habe ich bereits erwogen oder ausprobiert?
Welche Möglichkeiten halte ich für unrealistisch?
Betrachte anschließend deine Antworten.
Welche Erklärungen erscheinen dir so selbstverständlich, dass du sie bisher kaum hinterfragt hast?
2. Unterbrich das Bekannte
Wähle eine deiner zentralen Annahmen aus.
Stelle dir vor, dass sie nicht zutrifft.
Vielleicht bist du überzeugt, dass deine Mitarbeitenden keine Verantwortung übernehmen wollen.
Was wäre, wenn sie Verantwortung übernehmen möchten, aber die Bedingungen dafür nicht gegeben sind?
Oder du glaubst, dass ein bestimmter Prozess nicht verändert werden kann.
Was wäre, wenn nicht der Prozess selbst, sondern eure Vorstellung von seinen Grenzen die Veränderung verhindert?
Versuche für einen Moment, deine bisherige Erklärung nicht als Tatsache, sondern als eine mögliche Interpretation zu betrachten.
Was könnte noch zutreffen?
Du musst darauf nicht sofort eine Antwort finden.
3. Suche nach dem, was du nicht gesehen hast
Jetzt verlässt du die reine Reflexion.
Suche bewusst nach einer Beobachtung, die nicht zu deiner bisherigen Erklärung passt.
Sprich mit jemandem, der die Situation anders erlebt. Beobachte einen vertrauten Ablauf noch einmal genauer. Oder frage jemanden, dessen Perspektive du bisher nicht berücksichtigt hast.
Versuche dabei, nicht sofort zu bewerten oder deine bisherige Sicht zu verteidigen.
Frage dich:
Was nehme ich wahr, wenn ich meine bisherige Erklärung für einen Moment loslasse?
Vielleicht entdeckst du einen Zusammenhang, den du bisher übersehen hast. Vielleicht verändert sich deine Vorstellung vom Problem. Vielleicht entsteht eine ganz neue Frage.
4. Handle anders
Wähle eine kleine, konkrete Handlung, die sich aus deiner neuen Wahrnehmung ergibt.
Vielleicht führst du ein Gespräch, das du bisher vermieden hast. Vielleicht stellst du eine andere Frage. Vielleicht probierst du eine Vorgehensweise aus, die du bislang ausgeschlossen hattest.
Entscheidend ist, dass du nicht nur anders über die Situation nachdenkst.
Tue tatsächlich etwas anders als bisher.
Setze deine Handlung innerhalb der nächsten sieben Tage um.
Du musst nicht sicher sein, dass sie funktioniert. Betrachte sie als einen Versuch, durch den du etwas Neues erfahren kannst.
Was hast du entdeckt?
Nimm dir nach deiner Handlung einige Minuten Zeit.
Welche meiner bisherigen Annahmen wurden bestätigt oder infrage gestellt?
Was habe ich durch mein anderes Handeln erfahren?
Hat sich etwas in der Situation verändert?
Welche neue Möglichkeit ist sichtbar geworden?
Vielleicht hast du eine überraschende Erfahrung gemacht. Vielleicht ist eine neue Lösung entstanden. Vielleicht hast du festgestellt, dass deine ursprüngliche Erklärung doch zutraf.
Auch das ist eine Erkenntnis.
Denn es geht nicht darum, deine bisherigen Überzeugungen grundsätzlich aufzugeben. Es geht darum, beweglich genug zu bleiben, sie zu hinterfragen, wenn sie dich nicht mehr weiterbringen.

Ein Gedanke für deinen Alltag
Wenn du das nächste Mal vor einer festgefahrenen Situation stehst, frage dich nicht sofort:
Welche Lösung habe ich noch nicht ausprobiert?
Frage dich zunächst:
Welche meiner Annahmen könnte mich daran hindern, etwas anderes zu sehen?
Und dann: Probiere etwas aus, das du bisher nicht getan hast.
Vielleicht beginnt eine neue Möglichkeit genau dort.
Vom Experiment zum Gedanken
Vielleicht hast du bei diesem Experiment erlebt, wie sehr unsere bisherigen Erfahrungen bestimmen, was wir wahrnehmen – und welche Möglichkeiten wir überhaupt in Betracht ziehen.
Otto Scharmer beschreibt mit dem Begriff Downloading, wie wir auf vertraute Denk- und Wahrnehmungsmuster zurückgreifen und dadurch möglicherweise immer wieder dieselbe Wirklichkeit reproduzieren.
Doch wie können wir uns für etwas öffnen, das wir noch nicht kennen? Und wie wird aus einer neuen Wahrnehmung eine Möglichkeit, die wir selbst gestalten können?
In unserem Dialog mit Otto Scharmer beschäftigen wir uns mit diesen Fragen und entwickeln seine Gedanken aus unserer eigenen Perspektive weiter.
Hier geht es zum Dialog-Artikel:
Vom Gedanken zum Experiment ist eine Reihe der Schule der Gestaltungsfähigkeit. Inspiriert von den Gedanken bedeutender Vordenker laden wir dazu ein, neue Perspektiven nicht nur zu erkunden, sondern durch eigenes Handeln erfahrbar zu machen.


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