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DENKRÄUME – Im Dialog mit dem Denken anderer

  • Autorenbild: Michele Neuland
    Michele Neuland
  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Eine entstehende Denkschule über Führung, Komplexität und die Fähigkeit, Zukünfte zu gestalten


Seit einiger Zeit beschäftigt mich eine Frage:


Was brauchen Menschen und Organisationen, um in einer komplexen Welt gestaltungsfähig zu bleiben?


Nicht nur handlungsfähig im Sinne von reagieren, entscheiden und umsetzen. Sondern gestaltungsfähig: in der Lage, Unbekanntem zu begegnen, Möglichkeiten wahrzunehmen und an Zukünften mitzuwirken, die noch nicht vorhersehbar sind.


Auf diese Frage suche ich keine abschließende Antwort.


Stattdessen begebe ich mich in einen Dialog.

Mit Menschen, deren Denken unseren Blick auf Führung, Organisationen, Lernen und Veränderung geprägt hat. Mit ihren Theorien und Begriffen – aber ebenso mit meinen eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren der Arbeit mit Menschen und Organisationen.


Mich interessiert dabei weniger, was eine Theorie erklärt.

Mich interessiert, was geschieht, wenn wir mit ihr denken.


  • Was löst sie aus?

  • Wo entsteht Resonanz?

  • Wo widersprechen meine Erfahrungen?

  • Welche Fragen tauchen auf?


Und was entsteht möglicherweise im Dialog, das vorher weder in der Theorie noch in meinem eigenen Denken vorhanden war?


Keine Suche nach dem nächsten Modell

Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, aus unterschiedlichen Ansätzen ein neues Führungsmodell zusammenzusetzen.


Vielleicht sogar im Gegenteil.


Je länger ich mich mit Komplexität beschäftige, desto skeptischer werde ich gegenüber dem Versprechen, die Welt durch ein weiteres Modell wieder übersichtlich machen zu können.


Modelle können Orientierung geben. Aber sie können auch unseren Blick verengen.


Deshalb möchte ich die Gedanken unserer Dialogpartner nicht übernehmen, sondern mit ihnen in Beziehung treten.


  • Manches bleibt.

  • Manches verändert sich.

  • Manches widerspricht sich.

  • Und manches öffnet einen vollkommen neuen Denkraum.


Eine entstehende Denkschule

Vielleicht lässt sich das, was dabei entsteht, am ehesten als Denkschule beschreiben.


  • Nicht als geschlossenes Gedankengebäude.

  • Nicht als Methode.

  • Und schon gar nicht als Anleitung dafür, wie Führung oder Organisationen in Zukunft „funktionieren“.


Eine Denkschule ist für mich eher eine Art, der Welt zu begegnen.


  • Aufmerksam.

  • Neugierig.


Mit der Bereitschaft, das eigene Denken immer wieder infrage stellen zu lassen.


Dabei sind bereits Gedanken aufgetaucht, die mich weiter begleiten: Wahrnehmung und Resonanz. Ahnung und Neugierde. Möglichkeitsräume und Zukünfte. Die Bedeutung von innerer und sozialer Sicherheit. Die Fähigkeit, Unvollständigkeit auszuhalten. Gestaltung als Bewegung, durch die wir Wirklichkeit verändern – und dadurch wiederum selbst verändert werden.


Doch auch diese Begriffe sollen nicht zu neuen festen Kategorien werden.

Vielleicht ist eine lebendige Denkschule gerade daran zu erkennen, dass sie sich selbst immer wieder irritieren lässt.


Menschen im Kreis sitzend im Dialog

Dialog statt Bestätigung

Deshalb suche ich für diese Reihe nicht nach Menschen, deren Denken zu meinem passt.

Interessanter sind diejenigen, die etwas in Bewegung bringen.


  • Otto Scharmer hat Fragen nach Wahrnehmung und der Qualität unserer Aufmerksamkeit geöffnet.

  • Deborah Ancona hat uns über Sensemaking und die Entstehung von Bedeutung nachdenken lassen.

  • Amy Edmondson führte uns tiefer in die Frage nach psychologischer und sozialer Sicherheit.

  • Ronald Heifetz brachte uns zur Anpassungsfähigkeit, zum Lernen im Unbekannten – und zu einem Surfer in unberechenbaren Gewässern.

  • Karl E. Weick ließ einen Stein ins Wasser fallen und führte uns zu einer überraschenden Frage: Müssen wir eigentlich immer verstehen, was eine Irritation verursacht hat – oder können wir zunächst lernen, feiner wahrzunehmen, dass sich etwas verändert?

  • Und im Dialog mit Ellen Langer taucht gerade eine weitere Bewegung auf: Was geschieht, wenn wir Unterschiedlichkeit nicht reduzieren, sondern als Ressource unserer gemeinsamen Wahrnehmungsfähigkeit verstehen?


Keiner dieser Dialoge endet dort, wo er begonnen hat.

Und genau das ist die Idee.


Zukünfte entstehen im Dialog

Vielleicht liegt darin bereits ein Teil der Antwort auf meine Ausgangsfrage.

Zukünfte sind für mich immer weniger parallele Möglichkeiten, zwischen denen wir irgendwann die richtige auswählen.


Sie sind sich entwickelnde Räume.

  • Wir nehmen sie wahr.

  • Wir treten mit ihnen in Beziehung.

  • Wir gestalten.


Durch unsere Gestaltung verändert sich der Raum.

Und der veränderte Raum wirkt wiederum auf uns zurück.

Deshalb möchte ich auch diese Artikel nicht als fertige Antworten verstanden wissen.


Sie sind Momentaufnahmen eines Denkprozesses.

Einige Gedanken werden bleiben.

Andere werden sich durch den nächsten Dialog verändern.


Vielleicht werden wir irgendwann sogar auf einen frühen Artikel zurückschauen und sagen:

Heute würde ich das anders sehen.


Das wäre kein Fehler dieser Reihe.

Es wäre ihr Gelingen.


Denn wenn wir über die Fähigkeit sprechen, in einer komplexen Welt beweglich zu bleiben, sollte vielleicht auch unser eigenes Denken genau das dürfen:

in Bewegung bleiben.

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