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  • AutorenbildMichele Neuland

Der "Adaptive Cycle"- auch als "Lazy 8" bekannt

Das Zyklusmodell der "Lazy Eight" beschreibt den Kreislauf der Erneuerung, den Systeme immer wieder durchlaufen müssen, um zu überleben und sich weiterzuentwickeln.

Das Modell der "Lazy Eight" ist benannt nach seiner Form, die einer liegenden Acht ähnelt, und es beschreibt vier wiederkehrende Phasen: Zusammenbruch, Destruktion, Reorganisation und Erneuerung. Diese Phasen lassen sich auf Organisationen anwenden, und das Modell zeigt auf, wie Organisationen auf diese Phasen reagieren können. Es wurde von Gunderson und Holling im Jahr 2002 vorgestellt und von Katzmair und Gulas im Jahr 2018 weiterentwickelt.


Das beschriebene Modell der "Lazy Eight" oder des adaptiven Zyklus betont die Wichtigkeit, dass Organisationen auf die sich wiederholenden Phasen des Lebenszyklus nicht mit Robustheit und Stabilität, sondern mit adaptiven Maßnahmen reagieren sollten. Diese adaptiven Maßnahmen stärken die Organisation und befähigen sie, die Phasen des Zyklus immer wieder auf einer höheren Ebene zu durchlaufen.


Im "Lazy Eight" Zyklusmodell spielt die Krise eine wichtige Rolle. Eine Krise, sei es eine Pandemie, Lieferkettenstörungen oder akute Auswirkungen der Klimakrise, markiert einen Schlüsselmoment. Obwohl eine Krise Zerstörung bringt, bietet sie gleichzeitig den ersten wichtigen Anstoß für Neues. Dieser Neuanfang führt zu einem Prozess der Erneuerung und Weiterentwicklung.


Für Unternehmen fungiert die "Lazy Eight" als wichtiges Orientierungs- und Verortungstool. Es ermöglicht Unternehmen, ihre Entwicklung zu dokumentieren und die verschiedenen Entwicklungsphasen samt der damit einhergehenden Herausforderungen, Prinzipien und Chancen zu antizipieren. Durch die Anwendung dieses Modells können Unternehmen besser auf Krisen reagieren und ihre Überlebensfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.


Für den Strategieprozess bedeutet dies, dass er nicht als statisches Modell betrachtet werden sollte, sondern als Prozess, der in Zyklen gedacht und entwickelt werden muss. Organisationen können mit dem Modell einschätzen, an welcher Stelle des Zyklus sie sich gerade befinden und welche Phase als nächstes kommen wird. Das Verständnis der eigenen Position im Zyklus ermöglicht Organisationen, adaptiv und handlungsfähig zu sein. Die strategische Zukunftsfähigkeit einer Organisation hängt somit von der situativen Einschätzung ab.


Die vier Phasen im Detail


Das Modell der "Lazy Eight" strukturiert die Lebensphasen von komplexen Systemen in vier Hauptphasen: Innovation, Wachstum, Stagnation und Erneuerung. Jede dieser Phasen wird von zwei Subphasen begleitet, was insgesamt zu acht Subphasen führt.




1. Innovationsphase:

  • Entdecken: In dieser Phase werden neue Ideen erforscht und Prototypen entwickelt. Die Organisation passt sich schnell an und erprobt kreative Lösungen.

  • Neustart: Nach dem Entdecken entscheidet sich die Organisation für einen klaren Weg und verfolgt diesen aktiv. Die Richtung ist klar definiert.

2. Wachstumsphase:

  • Loslassen und Skalierung: Altes wird losgelassen, und die Organisation beginnt, die Ergebnisse der Innovationsphase zu implementieren und zu skalieren.

  • Etablierung von Prozessen und Strukturen: Prozesse, Strukturen und Rollen werden gefestigt, und die Organisation stabilisiert sich.

3. Stagnationsphase:

  • Erhalt und Effizienz: Die Organisation versucht, den Status quo aufrechtzuerhalten und effizient zu arbeiten. Es herrscht eine gewisse Inflexibilität und Standardisierung.

  • Krise: Eine Krise tritt ein, die das System dazu zwingt, auf Reserven zurückzugreifen und mit Durchhalteparolen, Krisenplänen und Interventionen zu reagieren.

4. Erneuerungsphase:

  • Konfusion und Improvisation: Die Organisation befindet sich in einem Zustand der Konfusion, in dem alte Hierarchien und Muster überstimmt werden. Es wird improvisiert, und neue Autoritätssysteme entstehen.

  • Bifurkation und Entscheidung: Dies ist der kritische Punkt, an dem sich entscheidet, ob die Organisation in die Erneuerung (neues Spiel) übergeht oder am Alten (altes Spiel) festhält.


Die Lazy Eight stellt sicher, dass Unternehmen die Phasen des Lebenszyklus, in denen sie sich befinden, verstehen und entsprechend darauf reagieren können. Indem Organisationen die Lazy Eight als Orientierungsinstrument nutzen, können sie ihre Anpassungsfähigkeit stärken und sich erfolgreich durch die Herausforderungen der verschiedenen Lebensphasen hindurch navigieren.


Krisen als Wendepunkte


Das Modell des adaptive Change betont die Bedeutung von Krisen als Wendepunkte, die Unternehmen vor die Wahl stellen, ob sie am alten Status quo festhalten oder sich für Innovation und Neustart entscheiden wollen. Diese Wahl ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens.





In einer Zeit, die von multiplen Krisen geprägt ist, führen Bifurkationen und krisenhafte Einschnitte dazu, dass Systeme entkoppelt werden und etablierte Strukturen dekonstruiert werden. Die Auswirkungen einer Krise verändern grundlegend die bestehenden Beziehungen und führen zu einer Rückwärtsschleife der Erneuerung. Selbst nach der Überwindung einer Krise werden die Wirkungsbeziehungen nicht mehr wie zuvor funktionieren.

Unternehmen und Einzelunternehmer haben nach einer Krise zwei Möglichkeiten: Sie können entweder am alten Status quo festhalten und versuchen, zum vorherigen Zustand zurückzukehren, oder sie können sich für Innovation und Neustart entscheiden. Die Wahl hängt von der individuellen Situation und der Art der Krise ab.


Wenn Unternehmen versuchen, am alten Status quo festzuhalten, indem sie den Zustand vor der Krise wiederherstellen oder sogar überholen wollen, geraten sie oft in einen Verdrängungswettbewerb, den insbesondere kleinere Betriebe kaum gewinnen können. Große Konzerne dominieren in diesem alten Spiel vorerst, und viele kleinere Unternehmen scheitern an den neuen Bedingungen.


Dennoch bergen Krisen auch Chancen für Innovation und Neuerfindung. Während der Coronapandemie haben viele Branchen neue Wege gefunden, sich anzupassen und zu erneuern. Die Verlagerung von Events ins Digitale, die Einführung neuer Lieferdienste und die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle sind Beispiele dafür, wie Unternehmen auf die Auswirkungen der Pandemie reagiert haben.


Ähnlich zeigt sich auch während des Krieges in der Ukraine: Unternehmen nutzen die Lieferketten- und Rohstoffengpässe als Anlass, neue, regionalere Rohstoffalternativen zu suchen, und setzen damit ein Zeichen für Nachhaltigkeit.

Insgesamt betonen diese Gedanken die Bedeutung von Anpassungsfähigkeit und Innovationsbereitschaft in Zeiten von Krisen. Unternehmen und Einzelunternehmer, die sich dieser Herausforderung stellen und bereit sind, neue Wege zu gehen, können gestärkt aus Krisen hervorgehen und erfolgreich in die Zukunft blicken.

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