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Shared Leadership – Warum die Zukunft von Führung nicht mehr einer einzelnen Person gehört

  • Autorenbild: Michele Neuland
    Michele Neuland
  • 3. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Die Vorstellung einer einzelnen Führungskraft, die den Überblick behält, Entscheidungen trifft und den Weg vorgibt, stammt aus einer Zeit, in der Organisationen vor allem Effizienz beherrschen mussten. Prozesse waren planbar, Veränderungen vergleichsweise langsam und Wissen konzentrierte sich häufig auf wenige Experten.


Heute erleben Unternehmen eine andere Realität.


Märkte verändern sich permanent. Wissen verteilt sich über Teams hinweg. Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Entscheidungen müssen häufig getroffen werden, bevor alle Informationen verfügbar sind. Genau an diesem Punkt stößt klassische Führung an ihre natürlichen Grenzen.


Nicht weil Führungskräfte schlechter geworden wären – sondern weil die Umwelt komplexer geworden ist.


Puzzle an dem mehrere menschen sitzen

Führung ist kein Besitz

Shared Leadership beginnt mit einer einfachen Erkenntnis:

Führung ist keine Position. Führung ist eine Funktion.


Diese Funktion kann – abhängig von Situation, Kompetenz und Kontext – von unterschiedlichen Menschen übernommen werden.


  • Wer über das größte Fachwissen verfügt, übernimmt in einer Situation die Orientierung.

  • Wer Beziehungen stabilisiert, führt im Konflikt.

  • Wer Zukunftsmöglichkeiten erkennt, übernimmt Führung bei Innovation.

  • Wer Entscheidungen integriert, führt im Übergang.


Führung wandert damit dorthin, wo sie im jeweiligen Moment den größten Beitrag leisten kann.


Die formale Führungskraft verschwindet dadurch nicht.

Ihre Rolle verändert sich.


Sie sorgt dafür, dass Führung überhaupt entstehen kann.


Komplexität verlangt verteilte Intelligenz

Je komplexer eine Situation wird, desto weniger kann eine einzelne Person alle relevanten Informationen wahrnehmen.


Organisationen verfügen jedoch über eine enorme Ressource:

Die kollektive Wahrnehmung ihrer Menschen.

Shared Leadership nutzt genau diese Vielfalt.


Unterschiedliche Erfahrungen, Blickwinkel und Kompetenzen werden nicht länger als Störung verstanden, sondern als Voraussetzung für bessere Entscheidungen.


Dadurch erhöht sich die Fähigkeit einer Organisation,

  • Zusammenhänge früher zu erkennen,

  • Risiken schneller wahrzunehmen,

  • neue Möglichkeiten zu entdecken,

  • angemessen auf Veränderungen zu reagieren.


Nicht eine Person wird intelligenter.

Das gesamte System wird lernfähiger.


Vertrauen ersetzt Kontrolle nicht – es ergänzt sie

Ein häufiges Missverständnis besteht darin, Shared Leadership mit "alle entscheiden alles" gleichzusetzen.


Das Gegenteil ist der Fall.


Gerade weil Verantwortung verteilt wird, braucht es klare Orientierung.

Menschen benötigen gemeinsame Ziele, transparente Entscheidungsräume und ein gemeinsames Verständnis darüber, wer wann Verantwortung übernimmt.


Shared Leadership bedeutet deshalb nicht weniger Führung.

Es bedeutet bessere Führung.


Die Führungskraft schafft Klarheit über Richtung, Rahmenbedingungen und Verantwortlichkeiten.


Innerhalb dieses Rahmens entsteht Handlungsspielraum.


Psychologische Sicherheit wird zur Voraussetzung

Menschen übernehmen nur dann Verantwortung, wenn sie ihre Gedanken äußern dürfen.


  • Wenn Fehler bestraft werden, schweigen Menschen.

  • Wenn Unsicherheit als Schwäche gilt, verschwinden neue Ideen.

  • Wenn Hierarchien wichtiger sind als Argumente, bleibt vorhandenes Wissen ungenutzt.


Shared Leadership lebt deshalb von einer Kultur psychologischer Sicherheit.

  • Sie ermöglicht, Fragen zu stellen.

  • Zweifel auszusprechen.

  • Perspektiven einzubringen.

  • Und Verantwortung zu übernehmen, ohne Angst vor persönlichen Konsequenzen haben zu müssen.


Die neue Aufgabe der Führungskraft

Die größte Veränderung betrifft nicht die Mitarbeitenden.

Sie betrifft die Führungskraft selbst.


Sie muss nicht länger auf jede Frage die richtige Antwort kennen.


Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin,

  • Orientierung zu schaffen,

  • Beziehungen zu gestalten,

  • Entscheidungen zu ermöglichen,

  • Lernen zu fördern,

  • Potenziale sichtbar zu machen,

  • Verantwortung zu verteilen.


Sie führt weniger über Antworten.

Sie führt stärker über Fragen.

Sie entwickelt weniger Abhängigkeit.


Sie entwickelt mehr Selbststeuerung.


Shared Leadership braucht Resonanz

Verteilte Führung funktioniert nicht durch Organigramme.

Sie entsteht dort, wo Menschen aufeinander reagieren können.

Wo sie sich gegenseitig wahrnehmen.

Wo unterschiedliche Sichtweisen Resonanz erzeugen.


Resonanz bedeutet dabei mehr als Zustimmung.

Sie beschreibt den Moment, in dem uns eine Beobachtung, eine Idee oder eine Frage innerlich berührt und neue Möglichkeiten sichtbar macht.

Erst diese Resonanz macht kollektive Intelligenz möglich.


Shared Leadership ist deshalb immer auch ein Prozess gemeinsamer Wahrnehmung.


mehrere Menschen die auf einem Berg stehen mit Netzwerk im Himmel
Shared Leadership beginnt mit Wahrnehmung

Fazit

Die Herausforderungen der Zukunft werden nicht kleiner.

Sie werden komplexer.


Organisationen brauchen deshalb weniger Helden an der Spitze und mehr Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen können.


Shared Leadership bedeutet nicht, Führung aufzugeben.

Es bedeutet, Führung dort entstehen zu lassen, wo sie den größten Unterschied macht.


Vielleicht ist genau das der entscheidende Wandel unserer Zeit:

Nicht mehr die einzelne Führungskraft macht den Unterschied.


Sondern die Fähigkeit einer Organisation, Führung miteinander entstehen zu lassen.

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